5 ½ Fragen an Achim von Michel

Achim von Michel ist Landesbeauftragter, Pressesprecher und Leiter des Landeswirtschaftssenats beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), einem starken Partner der Münchner Webwoche. Mit über zwanzig Jahren Erfahrung als Geschäftsführer bei WORDUP Public Relations und Herausgeber und Chefredakteur von Mittelstand in Bayern kann er auf fundiertes Hintergrundwissen über die Medien- und Wirtschaftsszene zurückgreifen. In unseren 5 ½ Fragen wollen wir ihn und seine Eindrücke von der Münchner Szene kennenlernen.

MWW: Hallo Achim, kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, was du so machst?

Achim von Michel, Portrait

Achim von Michel (© WORDUP Public Relations)

ACHIM VON MICHEL: Ich führe seit über 20 Jahren eine PR-Agentur, die regelmäßig auch Kunden aus der Digitalbranche betreut. Seit 2007 engagiere ich mich außerdem für den Mittelstand, zunächst als Pressesprecher, seit 2011 auch als Politikbeauftragter in Bayern für den BVMW. Es ist mir ein großes Anliegen, den Sorgen und Problemen der vielen kleinen und mittleren Unternehmen eine Stimme zu verschaffen. Diese Unternehmen erwirtschaften immerhin mehr als jeden zweiten Euro und stellen weitaus mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in Deutschland. Doch der Unternehmer als Einzelkämpfer hat keine Chance mehr, gefragt sind Vernetzung und ganzheitliches Denken. Das leistet unser Verband. Mein Online-Magazin mittelstandinbayern.de thematisiert darüber hinaus in inzwischen fast 1.000 Artikeln drängende politische Probleme, verweist auf aktuelle Studien und gibt Ausblicke, auch zum Thema Digitalisierung.

MWW: Als Landesbeauftragter Politik, Pressesprecher und Leiter des Landeswirtschaftssenats beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft gestaltest du aktiv die Münchner Digitalszene mit. Was genau steht hinter diesem Projekt und wie kam es dazu?

ACHIM: Für den BVMW ist das Thema Digitalisierung eines der zentralen Anliegen. Insgesamt befindet sich etwa ein Drittel der Mittelständler aktuell noch in einem Grundstadium der Digitalisierung, aber es geht voran. Daran arbeiten auch wir als Verband essentiell mit. Einer der größten Bremsklötze ist das nicht vorhandene Wissen und der mangelnde Einsatz von IT-Sicherheit. Mehr als ein Drittel der Unternehmer hat sogar Angst vor Sicherheitsrisiken. Gerade bei kleinen Unternehmen entwickelt sich dort ein Teufelskreis: Die Unternehmen scheuen zu hohe Investitionen, gerade in die IT-Sicherheit, denn viele Mittelständler verfügen nicht über das notwendige Wissen und die Ressourcen, um zu identifizieren, wo Sicherheitsprobleme liegen und wie sie sich schützen könnten. Ohne die Sicherheit und das Vertrauen in die Technik digitalisieren sie aber auch nicht. Dadurch gerät die gesamte Transformation ins Stocken.

Ein sehr schönes Beispiel für unser Engagement ist das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum in Berlin, das wir mit umfangreicher Förderung der Bundesregierung betreiben. Hier bieten wir dem Mittelstand eine Plattform, um die eigene Digitalisierung gezielt voranzutreiben, Wissen zu erwerben und die richtigen Umsetzungspartner zu finden. Solche Zentren sind übrigens auch in Augsburg und München geplant. Es liegt also nahe, dass sich der BVMW auch im Rahmen der Münchner Webwoche engagiert, und es war ein schöner Zufall, dass ich mit Professor Wolf Groß vor einigen Jahren auf einer Veranstaltung ins Gespräch kam und wir sehr schnell den Grundstein für unsere Kooperation legen konnten.

MWW: Das Motto der nächsten Münchner Webwoche lautet „Game Changer Digitalisierung“. Ist München deiner Meinung nach ein Game Changer in Bezug auf die Digitalisierung? Welches Potenzial schlummert deiner Meinung nach in unserer Stadt als Digital- und Kreativstandort?

ACHIM: München war immer ein herausragender IT-Standort mit spannenden Playern, auch international gesehen. Natürlich tummelt sich die „echte“ Startup-Szene eher in Berlin, das hat vor allem auch mit den völlig anderen Lebenshaltungskosten zu tun. Andererseits stellt München an Gründer eben höhere Anforderungen: Das Geschäftsmodell muss viel schneller Erträge abwerfen, und damit sind Gründer nochmal mehr gefordert, sich richtig ins Zeug zu legen und eine überzeugende Lösung zu entwickeln. Mit dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft hat die Stadt München außerdem eine sehr aktive Plattform zur Unterstützung der Kreativen geschaffen. Ich denke also, wir sind insgesamt sehr gut aufgestellt.

MWW: Welche Möglichkeiten siehst du für jeden Einzelnen in München, sich selbst einzubringen und die Digitalwirtschaft, die Szene und den Standort zu stärken?

ACHIM: Das Zauberwort heißt einmal mehr: „Vernetzung“. Immer wenn ich erfolgreiche Gründer nach ihrem Schlüssel zum Erfolg frage, dann sagen die mir relativ schnell: „Sprich mit anderen über Deine Ideen, tausche Dich aus, hole Dir regelmäßig einen ‘Reality Check’“. Ich denke, dass ist auch einer der zentralen Erfolgsfaktoren der Berliner Startup-Szene: Man kennt sich, hat etablierte Treffpunkte und lebt gemeinsam einen Traum. Je mehr wir diesen Netzwerkgedanken auch in München etablieren, umso erfolgreicher wird unsere Digitalszene werden.

MWW: Die Münchner Webwoche lebt vom Engagement jedes Einzelnen. Bist du mit einem eigenen Event dabei oder nimmst du an einem teil? Welche Veranstaltung sollten unsere Leser deiner Meinung nach unbedingt besuchen?

ACHIM: Der BVMW bietet auch in diesem Jahr eine eigene Veranstaltung an. Sie lautet „Powerworkshop Content Marketing“ und wird gemeinsam von unserem Mitglied Airmotion Media und dem renommierten Digitalexperten Klaus Eck am 17. Mai von 17.00 bis 20.00 gestaltet. Unser Mitglied Spacenet AG sorgt mit einem kleinen Sponsoring dafür, dass auch für das leibliche Wohl gesorgt ist. (Zur Anmeldung)

MWW: Und nun die „halbe“ Staffelfrage: Von welcher Persönlichkeit der digitalen Szene Münchens würdest du an dieser Stelle gerne 5einhalb Antworten lesen?

ACHIM: Mich beeindruckt immer wieder Matthias Völcker von crossvertise. Er hat es mit seinen beiden Partnern geschafft, innerhalb weniger Jahre ein hoch erfolgreiches Startup auf die Beine zu stellen, das inzwischen mehr als 40 Mitarbeiter beschäftigt und 2016 erstmals die Umsatzmarke von 10 Millionen Euro geknackt hat. crossvertise ist eine Online-Werbebuchungsplattform, auf der speziell kleine und mittelständische Unternehmen, die von den großen Mediaagenturen kaum betreut werden, ihre individuelle Werbeplanung durchführen und direkt buchen können. Das spart Zeit und Kosten und ist mit über 40.000 registrierten Nutzern ein echtes Erfolgsmodell.


[„5einhalb Fragen an…“ ist ein festes Format dieses Blogs. Wir wollen den großen und kleinen Gestaltern der Digitalwirtschaft Bühne und Forum sein. Die Interviewreihe räumt Platz dafür ein, dass sich engagierte Persönlichkeiten der Szene mit ihren Projekten vorstellen können.]