5 ½ Fragen an Steffen Kastner

Steffen Kastner ist nicht nur ein begnadeter UXler, sondern derzeit auch Head of Product Management bei UnternehmerTUM. In seiner Position hat er täglich mit der Münchner Wirtschaftsszene zu tun. Das verspricht spannende Einblicke, fanden die Techgenossen Vicky, Oskar und Robert, die ihn für unsere 5 ½ Fragen nominiert haben, um etwas aus dem Szene-Nähkästchen zu hören.

MWW: Hallo Steffen, kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, was du so machst?

STEFFEN: Hallo, ich bin gebürtiger Preuße und seit 2000 in München – mit einem kleinen Intermezzo in Hamburg. Und ungefähr seit dieser Zeit beschäftige ich mich mit der digitalen Produktentwicklung – mit Fokus auf die Nutzer. Zuletzt bei gutefrage.net, jetzt als Produktmanager bei UnternehmerTUM.

MWW: Als Head of Product Management bei UnternehmerTUM mischt du aktiv in der Münchner Digitalszene mit. Was genau steckt dahinter und wie kam es dazu?

Steffen Kastner

Steffen Kastner, Head of Product Management (Bild © Steffen Kastner)

STEFFEN: Thomas Zeller, CDO von UnternehmerTUM, kam auf mich zu und stellte mir das Konzept der Digital Product School vor. In der DPS arbeiten junge Produktmanager, Softwareentwickler, Interaction Designer und Artificial-Intelligence-Spezialisten jeweils 3 Monate an digitalen Lösungen – meist mit Fokus auf Mobilität. Die Chance, die nächste Generation der digitalen Produktmanager entscheidend zu fördern, war sehr verführerisch. Das konnte ich nicht ablehnen.

Jetzt ist der erste Schwung fast durch – Talente aus aller Welt durchleben zusammen mit Mitarbeitern aus unseren Partnerunternehmen die digitale Produktentwicklung in kleinen, schlagkräftigen Teams mit agilen Prozessen. Und sie kriegen Kontakt zur Münchner Techszene, weil wir fast jede Woche entweder unsere eigenen Meetups organisieren oder die von anderen hosten. IBM – einer unserer Partner – hat uns hierfür in den Highlight Towers ein komplettes Stockwerk zur Verfügung gestellt. Und da wollen wir abends auch die Münchner Digitalworker zusammenbringen.

MWW: Das Motto der Münchner Webwoche 2017 war „Game Changer Digitalisierung“. Ist München deiner Meinung nach ein Game Changer in Bezug auf die Digitalisierung? Welches Potenzial schlummert deiner Meinung nach in unserer Stadt als Digital- und Kreativstandort?

STEFFEN: Das Potenzial von München in Sachen digitaler Kreativität ist riesig. Das meine ich nicht nur wegen der Standortentscheidungen von Google, Amazon oder Microsoft. Hier gibt es schon lange ein Netzwerk aus Digitalworkern, die bei Konzernen, den großen und kleinen Agenturen oder einem der vielen Start-ups arbeiten. Auf den Meetups trifft man sie, beim Social-Media-Breakfast, beim Media-Barcamp – ich bin immer wieder überrascht, wie vielschichtig die Münchner Digitalszene ist. Und wie offen die Leute sind. Selbst abseits der Veranstaltungen wird sich intensivst ausgetauscht. Das ist fast schon eine digitale Subkultur.

Ich bin fest überzeugt, dass München eine Vorreiterrolle einnimmt in Sachen Digitalisierung. Die Companies trainieren längst ihren Digitalmuskel über alltägliche Prozesse statt über einmalige Workshops. Zum Beispiel, indem sie Mitarbeiter freistellen, um 3 Monate lang an der Digital Product School teilzunehmen und die Wahnsinnsgeschwindigkeit von Lean und Agile am eigenen Leib zu spüren

MWW: Welche Möglichkeiten siehst du für jeden Einzelnen in München, sich selbst einzubringen und die Digitalwirtschaft, die Szene und den Standort zu stärken?

STEFFEN: Ich kann jedem nur empfehlen rauszugehen, Meetups zu besuchen, sich bei Design Jams auszuprobieren, Teams zu bilden. Geht zur push.conference und natürlich auch zu den Sessions der Münchner Webwoche. Geht zu Barcamps und Hackathons. Redet mit Leuten, networkt aktiv und seid nicht einfach nur Business-Card-Sluts! Hört interessiert zu, erzählt aber auch, was Ihr macht! Und bringt auch mal zwei Leute zusammen, ohne dass ihr direkt was davon habt – außer dem tollen Gefühl, als Ideenverkuppler der Ursprung eines tollen Projektes zu sein.

Waren vor ein paar Jahren noch relativ viele Recruiter auf den Events, sind es jetzt fast ausschließlich Leute, die sich inhaltlich für das neue Tempo interessieren. Du triffst nicht nur den hochmotivierten Freshman mit einer coolen Idee, sondern auch mal Vorstandsmitglieder. Aber das merkst Du zunächst gar nicht, weil die erstens keine Anzüge mehr tragen und zweitens Leute sind, die Deine Leidenschaft fürs Digitale teilen, statt Vollzeit-Numbercruncher zu sein.

MWW: Die Münchner Webwoche lebt vom Engagement jedes Einzelnen. Warst du mit einem eigenen Event dabei oder hast du an einem teilgenommen? Was für Veranstaltungen sollten unsere Leser deiner Meinung nach unbedingt ihre Aufmerksamkeit schenken?

STEFFEN: Ich hatte mich fürs Isarcamp angemeldet, konnte dann aber kurzfristig leider nicht. Das war aber definitiv nicht mein letzter Versuch. Ansonsten bleibe ich gern in Übung in Sachen Ideation und Validieren, daher steht der Munich Design Jam immer ganz oben. Und die Lean Start-up Machine. Und wenn Du in Sachen Produktentwicklung unterwegs bist, kannst Du beim Product Tank und den Product Leaks tolle Leute brain-picken. Ach ja, und für alle UXler ist der UX Monday natürlich ein Muss.

MWW: Und nun die „halbe“ Staffelfrage: Von welcher Persönlichkeit der digitalen Szene Münchens würdest du an dieser Stelle gerne 5 ½ Antworten lesen?

STEFFEN: Da würde ich mir den Johannes Start wünschen. Der ist als Vollblutentwickler mega-interdisziplinär unterwegs – nicht nur als Mitorganisator der Munich Design Jams. Der hat bestimmt viel Interessantes zu erzählen zu Münchens Digitalszene.

MWW: Vielen lieben Dank für deine Zeit!


[„5einhalb Fragen an…“ ist ein festes Format dieses Blogs. Wir wollen den großen und kleinen Gestaltern der Digitalwirtschaft Bühne und Forum sein. Die Interviewreihe räumt Platz dafür ein, dass sich engagierte Persönlichkeiten der Szene mit ihren Projekten vorstellen können.]