5 Fragen an Münchens beste Blogs: Heinrich graut’s!

Bester Münchner Kulturblog 2016: Heinrich graut's

Im Rahmen der Münchner Webwoche 2016 wurden auf dem Abendempfang im alten Rathaus Münchens beste Blogger ausgezeichnet. Von unserem Partner Mucbook organisiert und durchgeführt, wurden aus über 200 Bewerbungen die neun besten Blogs in den Kategorien Corporate, Sport, Mode, Kultur, Food, Familie, Video, Reise, München und Publikum ausgezeichnet.

Als „Bester Münchner Kultur Blog“ konnte Heinrich Bruns mit seinem Blog „Heinrich graut’s überzeugen. Als freier Journalist betreibt Heinrich diesen Blog, indem man auf keine langweiligen Berichte über Museumsbesuche oder tote Mumien stößt. Seine Beiträge beinhalten fundiertes Wissen und behandeln aktuelle Themen.

Wir haben den Blogger interviewt, um mehr über seinen Blog und seine Einschätzung der Münchner Digitalzszene zu erfahren.

MWW: Lieber Heinrich, Dein Blog konnte sich als „Bester Kultur Blog“ durchsetzen. Doch wer steckt dahinter? Wie würdest du dich beschreiben?

HEINRICH BRUNS: Zunächst einmal – Überraschung – sehe ich meiner Zeichnung, diesem Avatar recht ähnlich. Bislang hat mich jeder beim ersten Mal erkannt, außer meinem Anwalt. Ich schmunzle heute noch. Hinter „Heinrich graut’s“ steckt ein Mensch, der mittlerweile sehr stolz darauf ist, nicht studiert zu haben und nach zwei Semestern halbherzigen Studiums ins Volontariat gegangen zu sein.

Das heißt zwar: Kein fester Job in der Kulturbranche. Aber das heißt auch: Ich habe mir dadurch die Möglichkeit erhalten, offen auf Dinge zuzugehen. Ja, auch mit einer gewissen künstlerischen Richtung: Oft entscheidet sich erst in der Veranstaltung, was ich für eine Berichtsform mache. Ob Bild und Text, Bild, Text und Ton oder ob ein klassischer Radiobeitrag oder eine Slideshow… nur mal als Beispiel.

Ich bin einfach neugierig und lasse mich treiben. (Letzteres zeitigt manchmal auch eine strenge Ermahnung der Frau in meinem Leben.) Ansonsten bin ich von kapriziös bis bayerisch-bodenständig in allen Erscheinungsarten bewandert. Aber im Grunde ein stiller Mensch. Also manchmal. 😉

MWW: Dein Blog befasst sich mit Beiträgen, die mal mehr, mal weniger mit Kultur im engeren Sinne zu tun haben. Somit sorgst du für eine spannende Abwechslung. Wie kam es zu der Idee des Blogs und wie triffst du deine Auswahl über die Beiträge?

HEINRICH: Nach zehn Jahren als Busfahrer beschloss ich wieder in den Journalismus zu gehen. Ich bildete mich an der Journalistenakademie fort – gerade in Online-Dingen. Es klingt vielleicht arg blöd, wenn ich sage, dass Bloggen für mich Werbung ist. Und weil ich in den 90ern Radio gemacht habe – wie heute auch wieder – waren da auf einmal O-Töne. Authentizität. Sicher ist das auch eine Art, sich von anderen Blogs zu unterscheiden.

Was die Abwechslung angeht: Da ich nicht auf allen Presseverteilern stehe, bekomme ich viele Sachen gar nicht mit – leider. Dafür erlaube ich mir den Kulturbegriff auch etwas weiter zu fassen. 103 Museumsbesuche braucht kein Mensch nachlesen. Gelegentlich glaube ich, dass ein bisschen Nabelschau ganz gut tut. Wir Journalisten brauchen mehr Medien, die auf uns Journalisten schauen. Deswegen pflege ich immer wieder diesen Blick – bei Tagungen in Tutzing beispielsweise. Andererseits denke ich, dass Bildung, Bier und Bytes auch zur Kultur gehören.

MWW: Deine Beiträge wurden von der Jury als besonders informativ, zeitgemäß und abwechslungsreich bezeichnet. Lob gab es auch für die übersichtliche Struktur. Was denkst du, ist dein Geheimnis für deinen Erfolg?

HEINRICH: Mei, man kann hochgeistig über technische Belange von Social Media in Museen schreiben. Das ist für manchen Zeitgenossen Erfüllung. Gegeben, geschenkt und nicht von mir kritisiert. Ich kann es halt nicht – ich versuche einen anderen Ansatz: Der Leserin, dem Leser aufzuzeigen, dass es nur Lust braucht, in eine Ausstellung zu gehen – und ein wenig Offenheit. Ich versuche, Geschichten zu erzählen. Deswegen gibt es manchmal wenig Text – das trägt zur Übersichtlichkeit bei. Und die O-Töne der Protagonisten tragen. Es ist ein Geschenk, wenn ein Richard Loibl erzählt. Oder ein Bernhard Purin. Da kann ich minutenlang und immer wieder zuhören, das fasziniert.

Ist das das Geheimnis meines Erfolgs? Ich weiß es nicht. Ich scheue auch nicht davor zurück, mal in ein Ministerium zu gehen, wenn es eine Ausstellung macht. Richard Gutjahr, ich glaube, er war es, der das Wort snackable geprägt hat. Vielleicht darf und muss Kultur einfach genießbar daherkommen? Wenn das der Grund für meinen Erfolg ist – dann habe ich vielleicht was begriffen. Oder aber es ist das, was eine Followerin twitterte: Schon beim Lesen viel gelernt.

MWW: Die digitale Szene stärker zu vernetzen und verborgenes Potential zu aktivieren, ist für Isarnetz ein wichtiges Anliegen und Ziel der Münchner Webwoche. Für uns gehören Blogger ebenso dazu, wie die kreative und wirtschaftliche Digitalszene Münchens. Welche Stärken siehst du in der Münchner Digital-Community?

HEINRICH: Ich freue mich jedenfalls, dass es bei der Preisverleihung diese Drei-Minuten-Kennenlern-Gespräche gab [Anm: Das Isarnetz Business Speed Dating]. Das war genau das Richtige, um der üblichen Blasenbildung vorzugreifen. Die kam dann später. Vielleicht sollte das signifikanter ausgebaut werden – ich nehme mich bei der Kontaktscheue nicht mal aus. Aber so ist halt auch München. Die einzige Stadt in Deutschland, in der ich einen Abend am Tresen sitze und nur mit dem Kellner wegen der Bestellung gesprochen habe.

Andererseits, und das ohne Schmäh, ist gerade diese kleine Grüppchenbildung etwas, das ich in München essentiell dafür sehe, das starke neue Dinge passieren. Doch, das ist eine Stärke. Aber man muss aufpassen, sich nicht zu sehr abzukapseln.

MWW: Blicken wir in die Zukunft: Wie könnte das digitale Gesicht von München 2050 aussehen? In welchem Bereich wird sich deiner Meinung nach viel verändern?

HEINRICH: Wenn ich in den letzten fünf Jahren digitalen Lebens eines gelernt habe: Keine Prognosen. Vor allem, weil ich mir manches, was technisch machbar ist, nicht wirklich wünsche. Andererseits: Bei der Digitalaffinität des Münchner Oberbürgermeister und Bürgermeister bleibt München München.

MWW: Herzlichen Dank für deine Zeit. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Freude mit deinem Blog!