5einhalb Fragen an Lutz Staacke

Lutz Staacke, Portrait

Technik und Toleranz liegen Lutz Staacke am Herzen. Der Social Media und Community Manager setzt sich mit #1000malwillkommen für eine freundliche Willkommenskultur ein und war mit Sabine Sikorsky Gründervater des Twitter-Projekts MunichLovesU. Von Sabine, die wir beim letzten Mal in diesem Format befragt haben, wurde er für unsere 5einhalb Fragen nominiert.

MWW: Hallo Lutz, kannst Du Dich kurz vorstellen und erzählen, was Du so machst?

Lutz Staacke: Moin zusammen, mein Name ist Lutz Staacke, ich bin 33 Jahre alt, sprich irgendwas zwischen Digital Immigrant und Digital Native, und arbeite als Head of Social Media beim Deutschen Landwirtschaftsverlag im Herzen Schwabings.

Als Social Media und Community Manager schlägt mein Herz natürlich analog-digital und ich bin ein regelrechter User- aber auch Trollfan. Ob bei meinem ehemaligen Arbeitgeber, gutefrage.net, oder für #1000malwillkommen: ohne User und User Generated Content wäre der Alltag nicht ganz so bunt.

MWW: Mit #1000malwillkommen gestaltest Du aktiv die Münchner Digitalszene mit. Was genau steht hinter diesem Projekt und wie kam es dazu?

Lutz: #1000malwillkommen ist ein Tumblr-Blog auf dem ich zeigen wollte, dass das Netz gut ist.

Auslöser war eine Demo in Freital letztes Jahr. Eine Frau meinte, dass sie nichts gegen Flüchtlinge habe, aber mit dieser Meinung wohl alleine dastünde. Das hat mich aufgewühlt und so habe ich nicht lange gezögert und wollte was bewegen.

Hinzu kam, dass ich auf mehr und mehr Hate-Speech stieß. Durch #1000malwillkommen wollte ich ein Zeichen setzen, dass es im Netz durchaus viele gute Menschen gibt, die andere Menschen willkommen heißen und freundliche Worte übrig haben.

Flüchtlinge haben auf ihrem Weg nach Deutschland schon so viel durchgemacht und erlitten, dass sie wenigstens mit warmen Worten empfangen werden sollten. Da wird man dann schnell als Gutmensch oder Bahnhofsklatscher bezeichnet. Doch in vielen Fällen heißt es einfach: don’t feed the troll.

MWW: Wenn Du auf Deine Erfahrung zurückblickst: welches Potential schlummert in München als Digital- und Kreativstandort? Wo würdest Du selbst gerne mehr vorantreiben?

Lutz: München hat ein unglaubliches Potential. Ich habe mich schon früh in der Digitalszene getummelt und beispielsweise auch mit meiner Vorrednerin Sabine MunichLovesU mitgestaltet. Doch ich sehe auch viele andere Initiativen, die man sonst nur in Berlin erwartet. So zum Beispiel Cook and Code das tolle Format 45 Minutes von meinem Kumpel Carlo. Hier verschenkt er 45 Minuten Beratung. Zu ihm kann jeder kommen, der Beratung sucht. Carlo hört sich diese Ideen an und gibt Hilfestellungen, wie man etwas angehen könnte. Gerade für Startups eine coole Möglichkeit seine eigene Idee und deren Aufwand kurz einschätzen zu lassen und den nächsten Step zu denken. Wenn sich für Carlo dann ein Auftrag ergibt, gut. Wenn nicht, so lernt er zumindest viele tolle Leute kennen.

Ich selber überlege, ob ich meine Social Media Expertise NGOs/NPOs in München zur Verfügung stelle und diese berate. Das habe ich schon mal gemacht und es gibt einem ein gutes Gefühl. Eben doch der Gutmensch in mir 😉

MWW: Welche Möglichkeiten siehst Du in München, sich selbst einzubringen und die Digitalwirtschaft, die Szene und den Standort zu stärken?

Lutz: Mit Microsoft, Google und anderen tollen digitalen Unternehmen kann man schnell interessante Formate entwickeln oder Unterstützer gewinnen. Ob es TwelveMinutesMe ist, man zum Management 3.0 Stammtisch geht oder eine, leider noch nicht richtig aktive, LGBT Community für Techies aufbaut.

Gerade im Bereich Schwul-Lesbisches Netzwerken für Geeks, Nerds und Techies wünsche ich mir oft mehr, als die Stadt zurzeit bietet. Unicorns in Tech war da schon mal ein Anfang. Leider gab es diese Veranstaltung bisher nur einmal in München. Da haben uns die anderen Großstädte ein bisschen was voraus.

MWW: Die Münchner Webwoche lebt von der Beteiligung aus der Münchner Digitallandschaft. Könntest Du Dir vorstellen, Dich mit einem eigenen Beitrag einzubringen oder mit einem Event dabei zu sein – oder bist Du es eh schon?

Lutz: Ja das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich frag da gleich mal bei Unicorns in Tech an, ob wir etwas planen können…

MWW: Und nun die „halbe“ Staffelfrage: Von welcher Persönlichkeit der digitalen Szene in München würdest Du an dieser Stelle gerne 5einhalb Antworten lesen?

Lutz: Nachdem ich schon so geschwärmt habe, kann ich Euch nur Carlo Zottmann ans Herz legen. Er ist freier Software Developer und Consultant. Er entwickelt Websites, Web- und Mobile-Apps und betreibt den unglaublich spannenden Newsletter „Neues aus der Zukunft“ in dem er Neuerungen aus Medizin, Energie und Technologie vorstellt, die wie Zukunftsmusik klingen, aber heute schon Realität sind.

MWW: Vielen lieben Dank!


[„5einhalb Fragen an…“ ist ein festes Format dieses Blogs. Wir wollen den großen und kleinen Gestaltern der Digitalwirtschaft Bühne und Forum sein. Die Interviewreihe räumt Platz dafür ein, dass sich engagierte Persönlichkeiten der Szene mit ihren Projekten vorstellen können.]