,

Veronika Riederle: Neue Datenschutz-grundverordnung erschwert schnellen Marktzugang

Frau Riederle, Sie sind Mit-Gründerin und Geschäftsführerin bei Demodesk. Es handelt sich hierbei um eine Screen-Sharing-Technologie, die Inside Sales und Support für B2B SaaS revolutionieren soll.  Um solch ein Projekt auf die Beine zu stellen, bedarf es einer soliden Finanzierung. Sie haben unter anderem an der Columbia University in New York studiert und wissen, dass es in den USA meist einfacher ist, Seed Capital oder Venture Capital zu erhalten.

 

Frage: Wie war das hier in München? War es für Sie einfach, in Bayern Fördergelder zu erhalten? Können Sie uns über Ihre Erfahrungen berichten.

Antwort: Wir werden seit dem 1. Oktober 2017 durch EXIST gefördert, ein Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Förderung umfasst ein Grundgehalt für bis zu drei Gründungsmitglieder, finanzielle Mittel für Coaching- und Sachleistungen sowie Unterstützung durch Mentoren und Coaches über 12 Monate. Um als förderfähig zu gelten, muss man bestimmte Bedingungen erfüllen und der Antrag ist relativ anspruchsvoll und zeitaufwendig. Durch unser starkes Gründernetzwerk in München hatten wir glücklicherweise Hilfe bei der Erstellung des Antrags, was uns den ganzen Prozess definitiv einfacher gemacht hat. Darüber hinaus nutzen wir auch Start-up Wettbewerbe und Programme (z.B. XPRENEURS, Unternehmertum, Gründerwettbewerb).

 

Frage: Wie ist die Stimmung bei Bayerns Start-up Unternehmen? Haben Sie das Gefühl, es gibt genügend Unterstützung? Glauben Sie, dass sich Bayern jemals zu einem „Silicon Valley“ entwickeln kann? Oder gibt es andere Regionen in Deutschland, in denen Start-ups schneller und großzügiger gefördert werden?

Antwort: In unserem persönlichen Netzwerk ist die Stimmung sehr positiv und es gibt relativ viel Unterstützung. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass wir beide am CDTM (einem gründungs-orientierten Zusatzstudium an der LMU/TU München) studiert haben. Einige erfolgreiche deutsche Unternehmensgründungen kommen aus dem CDTM Netzwerk (z.B. egym, Outfittery, Amiando, Kinexon, Freeletics). Die Münchner Gründerszene ist im Vergleich zu Berlin allerdings immer noch recht überschaubar. Insgesamt geht die Anzahl der Gründer in Deutschland leider kontinuierlich zurück – im Jahr 2001 waren es 1.6 Mio, in 2016 nur noch 0.7 Mio.

Von einem „Silicon Valley“ sind wir hier in Bayern noch weit weg. In USA gab es in 2016 mehr als 50 Mrd. Euro VC Investment, in Deutschland flossen lediglich 2 Mrd. Euro in Startups. Das liegt zum einen sicherlich an der Größe des amerikanischen Marktes und der Macher-Mentalität der Amerikaner, zum anderen auch an der deutlich größeren Offenheit der amerikanischen Unternehmen für neue Software-Technologien und einer schnelleren Migration in die Cloud.

 

Frage: Was ist das Besondere an der Geschäftsidee von Demodesk? Welches „Problem“ möchten Sie lösen und was ist Ihr Ziel?

Antwort: Wir haben eine webbasierte Screen Sharing Technologie entwickelt, die Probleme von herkömmlichen Screen Sharing Lösungen für Cloud-Anwendungen beseitigt – die notwendige Installation auf dem Endgerät, Probleme mit Firewalls, langsame und stockende Übertragung bei nicht optimaler Internetverbindung, Datenschutz Probleme durch notwendiges Teilen des gesamten Desktops, sowie zahlreiche weitere anwendungsspezifische Nachteile. Durch Einführung einer cloudbasierten Zentralinstanz ermöglicht Demodesk hochwertiges Screen Sharing über einen Browser, funktioniert ohne Installation auf jedem Endgerät und kann selbst komplexeste Anwendungen verzögerungsfrei und mit erheblich gesteigerter Übertragungsrate transferieren.

 

Frage: Wie geht es jetzt für Demodesk weiter? Ist eine schnelle Expansion geplant? Und wenn ja, ist es für Sie mit der Förderung durch EXIST jetzt einfacher geworden, in Bayern an VC zu gelangen?

Antwort: Wir befinden uns noch in der Seed Stage und fokussieren uns momentan stark auf die Weiterentwicklung unseres Produktes. Eine Finanzierungsrunde ist erst in der zweiten Jahreshälfte geplant. Ob es durch EXIST einfacher wird an Finanzierung zu gelangen können wir noch nicht sagen. Mit Sicherheit befinden wir uns aber in einer deutlich besseren Verhandlungsposition, da das Produkt ausgereifter ist als es ohne die Unterstützung durch EXIST wäre – ohne die Förderung hätten wir deutlich früher Kapital aufnehmen müssen.

 

Frage: Wie sieht es in Deutschland mit der juristischen Seite für Start-up Unternehmen ihrer Meinung nach aus? Sowohl bei Ihnen als auch bei anderen Unternehmen geht es um Geschäftsmodelle, die mit Metadaten, Advanced Analytics etc. arbeiten. Wie wirkt sich hier z.B. die neue Datenschutzverordnung auf das Geschäftsmodell aus?

 

Antwort: Diesbezüglich haben europäische Startups definitiv einen Nachteil gegenüber den USA. Startups in USA können deutlich schneller und unkomplizierter Prototypen entwickeln und mit Kunden testen, für die Verarbeitung und Analyse von kundenbezogenen Daten essentiell sind. Obwohl wir das Grundprinzip der neuen Datenschutzverordnung vollkommen unterstützen und als sinnvoll erachten, erschwert es dennoch einen schnellen Marktzugang.

 

Erleben Sie Veronika Riederle live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

Anmeldung und weitere Infos zum Zweiten Münchner Digital Dialog unter:

http://muenchner-webwoche.de/2_digital-dialog/

 

 

 

,

Christoph Weigler: Wir müssen unsere Haltung gegenüber digitalen Innovationen überdenken

Herr Weigler, Sie sind seit Oktober 2015 bei Uber tätig und leiten seit August 2016 als General Manager das Geschäft von Uber in Deutschland. Mit Ihren beruflichen Stationen in China und im Silicon Valley haben Sie einen sehr weiten Blickwinkel auf das Thema Digitalisierung.

Frage: Im Vergleich zu China hinken wir in Deutschland, in Bayern, bei der Digitalisierung hinterher. Das Handelsblatt titelt Ende Februar 2018 „Deutsche Unternehmen werden nicht mehr lange mit Innovationen aus China Schritt halten.“ Wird die deutsche Industrie jetzt wirklich abgehängt?

Antwort: Deutschland ist nach wie vor eine der führenden Industrienationen der Welt. Wenn Sie beispielsweise die Automobilbranche, den Maschinenbau oder auch die chemische Industrie ansehen, sind wir spitze. Klar ist aber auch: Deutschland muss die Trends der Zukunft mitgestalten, wenn es weiterhin vorne mit dabei sein will. In einigen Bereichen sind Innovationen da sicherlich noch unterentwickelt. So sehen wir zum Beispiel im Bereich der urbanen Mobilität, dass neue Nutzungskonzepte jenseits von Car Sharing noch sehr rar sind. Deutschland kann und muss hier und an anderen Stellen sicher noch einen Gang zulegen – dafür braucht es aber nicht nur gute Technologien, sondern auch die entsprechenden Rahmenbedingungen.

 

Frage: Wie können wir diesem Problem begegnen? Was muss Deutschland, Bayern, Ihrer Meinung nach tun, damit wir den Anschluss nicht verpassen? Oder ist bereits alles Notwendige in die Wege geleitet?

Antwort: Aus meiner Sicht muss sich auf zwei Ebenen etwas tun. Zum einen müssen wir unsere Haltung gegenüber digitalen Innovationen überdenken. Bei vielen überwiegt immer noch eher das Misstrauen. Zum anderen müssen wir die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Die führende Position in der Automobilindustrie werden wir beispielsweise nur halten können, wenn es uns gelingt, die Mobilität der Zukunft aus Deutschland heraus zu gestalten. Dazu braucht es einen modernen Rechtsrahmen, der Innovationen erlaubt und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle fördert.

 

Frage: Um wiederum das Handelsblatt aus dem Januar 2018 zu zitieren: „16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits“ und „Viele Deutsche fühlen sich von der Digitalisierung überfordert und nehmen gar nicht erst an den neuen Entwicklungen teil.“ Welche Aufgaben sehen Sie bei der neuen Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär? Was muss getan werden, um einerseits die Digitalisierung voranzutreiben und andererseits die Menschen „abzuholen und einzubinden“?

Antwort: Es ist gut und wichtig, dass die Regierung Mut zur Veränderung und Erneuerung zeigt. Gerade im Bereich der Digitalisierung müssen wir schnelle Fortschritte machen, um neues Innovationspotential zu entfalten. Dabei muss es um mehr gehen als nur einen schnellen Breitbandausbau. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für Produktinnovationen und Gründer. Das bedeutet auch, dass nicht mehr zeitgemäße Anforderungen aus dem Weg geräumt und Neugründungen erleichtert werden. Neue Geschäftsideen können Deutschland nach ganz vorne bringen. Heute scheitern sie jedoch noch zu oft an der Bürokratie.

 

Frage: Liegt die Angst vor der Digitalisierung Ihrer Meinung nach z.B. auch an der Angst vieler Menschen vor Disruption?

Digitalisierung ist in aller Munde, doch es gibt keine allgemeine Klarheit, was sich dahinter verbirgt. Aus meiner Sicht geht es bei der Digitalisierung vor allem darum, Technologie dafür einzusetzen, das Leben der Menschen besser und leichter zu machen. Natürlich bedeutet das auch Veränderung. Daher muss man viel Aufklärung betreiben. Schlussendlich haben wir es selbst in der Hand, technische Innovationen zu unser aller Vorteil zu nutzen. Das sollte uns alle ermutigen und anspornen.

 

Frage: UBER steht in der Öffentlichkeit für ein Paradebeispiel eines disruptiven Unternehmens. Das Unternehmen sah sich im letzten Jahr mit einer Reihe von Vorwürfen konfrontiert. In den USA musste der Chef und Gründer gehen. In München gab es eine Demonstration von Taxifahrern. Wie reagiert UBER, wie reagieren Sie auf die Kritik? Ändern Sie Ihre Strategie?

Antwort: Uber hat die Notwendigkeit für Veränderungen erkannt. Dies zeigen nicht zuletzt die vielen Maßnahmen, die unser CEO Dara Khosrowshahi seit seinem Antritt bereits angestoßen hat. Auch in Deutschland haben wir uns neu aufgestellt. Hier arbeiten wir seit gut drei Jahren nur noch mit professionellen Fahrern zusammen und setzen auf Wachstum durch Zusammenarbeit – Zusammenarbeit mit den Behörden, mit der Politik, mit Städten, Taxi- und Flottenbetreibern. Dieser neue Weg war wichtig für Uber, und wir werden ihn konsequent weiter verfolgen.

 

 

Erleben Sie Christoph Weigler live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

Anmeldung und weitere Infos zum Zweiten Münchner Digital Dialog unter:

http://muenchner-webwoche.de/2_digital-dialog/

 

 

 

,

Nicolas Reis: Der Dritte Sektor darf sich nicht von der Digitalisierung abhängen lassen

Herr Reis, Sie sind Gründer von Altruja – einem Anbieter von Spendentools für Online-Fundraising. Sie möchten damit Hilfsorganisationen, Vereine, Schulen, Parteien usw. helfen, Spenden zu sammeln.

 

Frage: Wie ist die Idee entstanden, Online-Fundraisingtools anzubieten und wie sind Ihre Gründungserfahrungen hier in Bayern? Welche Unterstützung – auch außerhalb institutioneller Förderprogramme – haben Sie bekommen, um Ihre Idee zu verwirklichen?

Antwort: Nachdem ich meinen MBA in Südkalifornien absolvierte, begann ich bei einer Softwarefirma im Bereich Online Payment in San Diego zu arbeiten. Dort gab es u.a. auch ein Online Spendentool. In Deutschland gab es sowas damals (2008) noch nicht, daher kam die Idee mit im „Handgepäck“ so zusagen. Die Unterstützung durch die Hochschulen (LMU, TU München und auch Strascheg Center waren) wirklich toll, sehr unbürokratisch, dazu das EXIST Gründerstipendium, das hat den Start erleichtert! Zusätzlich haben wir sehr schnell angefangen, klassische Investoren einzuwerben, u.a. den High Tech Gründerfonds, Bayern Kapital, aber auch einige namhafte Business Angel.

 

Frage: Sie sind bereits einige Jahre am Markt. Was würden Sie anderen Gründern raten? Was sind Ihre persönlichen drei Dos und Ihre drei Don‘ts?

Antwort:

DOs:

  • Progress not perfection- Nicht ewig im Elfenbeiturm überlegen, raus an den Kunden für Feedback
  • Denkt dran, alles dauert immer länger, Kunden, Investoren, Entwicklung
  • Teilt Eure Idee – Nicht ewig geheim halten, wenn man die Idee so leicht klauen kann, war sie meist Mist…

Don‘ts:

  • Das Gegenteil von allem oben:)
  • Vielleicht nicht zu viel Zeit auf allen Events verdaddeln, manchmal muss man auch klassisch „arbeiten“! 😉

 

Frage: Wie schätzen Sie den Stand der Digitalisierung in Non-Profit-Organisationen ein? Sind sie bereit für die digitale Transformation? Wo besteht Ihrer Ansicht nach Aufholbedarf?

Antwort: Hier gibt es eine sehr große Schere! :(. Einige große oder junge sind da echt führend, experimentieren mit Blockchain, neuen Fintechs, sind offen.

Die große Mehrzahl ist allerdings noch völlig überfordert bzw. noch schlimmer: Viele handeln da eher nach der Vogel Strauß Taktik: Kopf in Sand, wir machen da nicht mit. Aber die Erfahrung zeigt natürlich, dass solche Organisationen es da sehr schwer haben werden, in einer agilen Welt weiter eine wichtige Rolle zu spielen.

 

Frage: Viele Startups bauen auf disruptive Geschäftsmodelle. Wie steht Altruja dazu? Wie sieht Ihre Vision der Digitalisierung aus?

Antwort: Große Frage, für dieses kleine FormatJ. So sehr viel Disruption würden unsere Kunden gar nicht vertragen. Wir sehen unsere Aufgabe eher darin, Organisationen die bisherige Disruption näher zu bringen und nutzbar zu machen. Offen gestanden muss vielleicht nicht jede Tierschutzorganisation oder Kirche morgen eine eigene Cryptowährung oder Blockchain schaffen, uns geht es vielmehr um einen offenen Umgang mit dem Thema Digitalisierung, ein Teilhaben und Mitgestalten, sonst wird man irgendwann abgehängt und das kann sich der Dritte Sektor nicht leisten (und wir uns auch nicht, dafür ist er zu wichtig! )

 

Erleben Sie Nicolas Reis live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

Anmeldung und weitere Infos zum Zweiten Münchner Digital Dialog unter:

http://muenchner-webwoche.de/2_digital-dialog/

 

 

 

, ,

Dirk von Gehlen: Macht der Internet-giganten nicht gottgegeben

Herr von Gehlen, wir freuen uns sehr, dass sie beim 2. Münchner Digital Dialog dabei sein werden. Sie leiten die Abteilung Social Media / Innovation Bei der Süddeutschen Zeitung und befassen sich mit der digitalen Transformation von Kultur, Gesellschaft und Unternehmen. In allen Social Media-Kanälen sind sie „early adopter“, auf Twitter beispielsweise sind Sie bereits seit 2007. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, das Digitale treibt Sie um.

Frage: Wie steht es denn um die digitale Transformation in Bayern? Wir haben nun den „Masterplan BAYERN DIGITAL II“, der von 2018 bis 2022 die Digitalisierung vorantreiben soll. Also endlich Glasfaser, endlich WLAN-Hotspots – auch in Schulen, endlich die Förderung von 5G Forschungs- und Entwicklungsprojekten, und so weiter und so fort. Mal ehrlich: hat die bayerische Politik die Digitalisierung nicht in den letzten Jahren völlig verschlafen?

Antwort: ¯\_(ツ)_/¯

Im Ernst: Die Digitaldebatte wird gerne und oft in Extremen geführt. Zwischen „total verschlafen“ und „Marktführer“ scheint es wenig zu geben. Ich bin aber der Meinung: Genau dort beginnt Politik.

 

Frage: Was muss Ihrer Meinung nach jetzt sofort passieren, damit wir hier in Bayern nicht den Anschluss an die anderen, innovativeren Länder komplett verlieren?

Antwort: Ich fände es schön, wenn wir den Menschen, die sich im Digitalen heimisch fühlen, die gleiche Förderung und Wertschätzung entgegen bringen wie jenen, die offline leben. Damit kann jede und jeder bei sich beginnen und die Politik kann dann weitermachen.

 

Frage: In Ihrem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ regen Sie dazu an, dass wir unsere eigenen Denk- und Verhaltensmuster hinterfragen. Mit dem Emoticon „Shruggie“ illustrieren Sie die Ratlosigkeit, die uns manchmal auch Angesichts dieses komplexen Gebildes „Internet“ befällt. Einerseits wollen und brauchen wir mehr Digitalisierung, andererseits überfordert sie uns hier und da. Wie gehen Sie mit dieser Ambivalenz um und wie sollten wir das Ihrer Meinung nach tun?

Antwort: Gemeinsam mit dem Shruggie wünsche ich mir, dass wir bereit sind, uns verstören zu lassen, das bedeutet vor allem: dass wir bereit sind, uns auf Neues einzulassen. Denn das ist das Ziel des Buches: Gründe aufzuzeigen, warum ein gelassener Umgang mit dem Neuen sinnvoll ist.

 

Frage: Herr von Gehlen, Sie wollen Deutschlands größten Brauchtumsverein gründen: Einen Verein für Menschen, deren Heimat das Internet ist. Einen Verein, der sich um die digitale Volkskultur bemüht und deren Förderung einfordert. Die Debatten der vergangenen Monate um Netzneutralität und Verlinkung einerseits sowie über Nationalismen und Hate Speech andererseits zeigen: Das Internet, das vielen Menschen Heimat ist, verdient Schutz und Pflege!

Ein Heimatsministerium haben wir ja bereits.

Also: Ernster Spaß oder ernster Ernst?

Antwort: Als das Familienministerium gegründet wurde, verstand man unter Familie auch etwas anderes als heute. Ich finde es nur legitim darüber nachzudenken, was Heimat im digitalen Zeitalter heißen kann. Ich habe dazu einen Vorschlag gemacht.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/was-ist-heimat-heimat-ist-wenn-sich-das-wlan-automatisch-verbindet-1.3836110

 

Frage: Noch eine letzte Frage aus aktuellem Anlass: Sie, als „Digital Native“, sind offen für alles rund um das Internet. Wie wichtig ist für Sie der Datenschutz? Nun kommt ja die EU Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) im Mai dieses Jahres. Die Geschehnisse rund um Cambridge Analytica und Facebook wurden in allen wichtigen Medien und Social Media-Kanälen diskutiert. In einem Interview mit t3n Anfang des Jahres sagen Sie, dass „ein Dienst wie Facebook an Bedeutung verlieren kann. Auch wenn es gerade nicht so aussieht.“

Haben Sie Ihre Meinung dazu geändert?

Antwort: Die Macht der großen Internetkonzerne Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft – häufig als GAFAM zusammengefasst – ist nicht gottgegeben. Ich glaube, dass das Internet als dezentrales Netzwerk eine großartige Erfindung ist. Es lohnt sich, sich für ihren Erhalt zu engagieren und für Dinge einzutreten, die wichtig sind für eine Gesellschaft. Deshalb glaube ich fest daran, dass wir in den nächsten Jahren das Aufkommen einer digitalen Zivilgesellschaft erleben werden.

 

Erleben Sie Dirk von Gehlen live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

Anmeldung und weitere Infos zum Zweiten Münchner Digital Dialog unter:

http://muenchner-webwoche.de/2_digital-dialog/

 

 

 

,

Jens Monsees: Rennen um die Digitalisierung in Automobil-industrie noch offen

„Es genügt nicht, für das autonome Fahren einfach eine Box aufs Dach zu schrauben“, sagte Jens Monsees, Leiter Digitalisierungsstrategie der BMW Group jüngst in der computerwoche.de. „Das Bauen von Autos ist ein hochkomplexer Prozess und man hat in jüngster Zeit gesehen, dass sich Firmen, die nicht aus der Automobilbranche stammen, damit durchaus schwertun. […] Digitale Dienste und Softwarelösungen im Auto erfordern eine Tiefenintegration ins Fahrzeug“. Das können die klassischen OEMs, allen voran BMW, nach Ansicht von Monsees sehr gut.

Wir freuen uns, dass Jens Monsees mit diesem klaren Statement gegen den Abgesang auf die klassische Automobilindustrie auf dem Zweiten Münchner Digital Dialog dabei ist. Er stellt sich mit seiner Sicht Christoph Weigler, dem Deutschlandchef von UBER und Veronika Riederle, Gründerin und Geschäftsführerin von Demodesk.

Erleben Sie Jens Monsees live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

Anmeldung und weitere Infos zum Zweiten Münchner Digital Dialog unter:

http://muenchner-webwoche.de/2_digital-dialog/

 

Das ganze Interview mit Jens Monsees ist hier zu lesen: „Wir lösen uns von starren Hierarchien“, https://www.computerwoche.de/a/wir-loesen-uns-von-starren-hierarchien,3330082

5einhalb Fragen an Andy Keck

MWW: Erzähl‘ uns von einem Projekt rund um das Thema Digitales, das Dich in München so richtig begeistert hat.

München steht bisher nicht so sehr für Digitales. Das Bild von Laptop und Lederhos‘n ist immer noch sehr lederhosenlastig. Gleichzeitig sind wir eine der IT-Hauptstädte dieser Welt. Deshalb ist die Münchner Webwoche des Netzwerks Isarnetz auch so wichtig und begeistert mich immer wieder.
 

MWW: Welches digitale Potenzial schlummert in München, das wir noch nicht oder noch nicht vollständig geweckt haben?

München hat die wirtschaftliche und die technologische Power. In Sachen Kreativszene und Gründerkultur sehe ich aber noch großen Nachholbedarf – mir wollen zu viele Studienabgänger in die großen Unternehmen oder gleich in den Öffentlichen Dienst. Das ist schlecht für den Standort.
 

MWW: Wie kann man aus Deiner Sicht München als lebendigen Standort der Digital- und Kreativwirtschaft weiter stärken?

Unter anderem mit der Münchner Webwoche. Die setzt wichtige Impulse. Wir brauchen auch mehr Augenmerk auf Schule und Ausbildung. Mit dem elterlichen oder schulischen Rat „was G’scheit‘s zu lernen und dann zur Sparkasse, zu Siemens oder zur Stadt zu gehen“ fördern wir Sicherheitsdenken und keine Neugründungen. Auch brauchen wir eine schnellere Umsetzung neuester Entwicklungen an Schulen und Hochschulen. Es dauert teilweise zu lange, bis die Lehrpläne angepasst werden.
 

MWW: Mit der keck. KG hast Du 2015 erstmalig die Vermarktung und Betreuung von Sponsoren und Promotionpartnern übernommen. Was hat Dich von diesem Format überzeugt?

München bleibt hinter seinen digitalen Möglichkeiten zurück. Da juckt es mich als Münchner, eine Veranstaltung wie die Münchner Webwoche erfolgreicher und einflussreicher zu machen.

 

MWW: Und nun die „halbe“ Staffelfrage: Von welcher Persönlichkeit der digitalen Szene in München würdest Du an dieser Stelle gerne 5einhalb Antworten lesen?

Vom Seppi Schmid.

5 ½ Fragen an Steffen Kastner

Steffen Kastner ist nicht nur ein begnadeter UXler, sondern derzeit auch Head of Product Management bei UnternehmerTUM. In seiner Position hat er täglich mit der Münchner Wirtschaftsszene zu tun. Das verspricht spannende Einblicke, fanden die Techgenossen Vicky, Oskar und Robert, die ihn für unsere 5 ½ Fragen nominiert haben, um etwas aus dem Szene-Nähkästchen zu hören.

MWW: Hallo Steffen, kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, was du so machst?

STEFFEN: Hallo, ich bin gebürtiger Preuße und seit 2000 in München – mit einem kleinen Intermezzo in Hamburg. Und ungefähr seit dieser Zeit beschäftige ich mich mit der digitalen Produktentwicklung – mit Fokus auf die Nutzer. Zuletzt bei gutefrage.net, jetzt als Produktmanager bei UnternehmerTUM.

MWW: Als Head of Product Management bei UnternehmerTUM mischt du aktiv in der Münchner Digitalszene mit. Was genau steckt dahinter und wie kam es dazu?

Steffen Kastner

Steffen Kastner, Head of Product Management (Bild © Steffen Kastner)

STEFFEN: Thomas Zeller, CDO von UnternehmerTUM, kam auf mich zu und stellte mir das Konzept der Digital Product School vor. In der DPS arbeiten junge Produktmanager, Softwareentwickler, Interaction Designer und Artificial-Intelligence-Spezialisten jeweils 3 Monate an digitalen Lösungen – meist mit Fokus auf Mobilität. Die Chance, die nächste Generation der digitalen Produktmanager entscheidend zu fördern, war sehr verführerisch. Das konnte ich nicht ablehnen.

Jetzt ist der erste Schwung fast durch – Talente aus aller Welt durchleben zusammen mit Mitarbeitern aus unseren Partnerunternehmen die digitale Produktentwicklung in kleinen, schlagkräftigen Teams mit agilen Prozessen. Und sie kriegen Kontakt zur Münchner Techszene, weil wir fast jede Woche entweder unsere eigenen Meetups organisieren oder die von anderen hosten. IBM – einer unserer Partner – hat uns hierfür in den Highlight Towers ein komplettes Stockwerk zur Verfügung gestellt. Und da wollen wir abends auch die Münchner Digitalworker zusammenbringen.

MWW: Das Motto der Münchner Webwoche 2017 war „Game Changer Digitalisierung“. Ist München deiner Meinung nach ein Game Changer in Bezug auf die Digitalisierung? Welches Potenzial schlummert deiner Meinung nach in unserer Stadt als Digital- und Kreativstandort?

STEFFEN: Das Potenzial von München in Sachen digitaler Kreativität ist riesig. Das meine ich nicht nur wegen der Standortentscheidungen von Google, Amazon oder Microsoft. Hier gibt es schon lange ein Netzwerk aus Digitalworkern, die bei Konzernen, den großen und kleinen Agenturen oder einem der vielen Start-ups arbeiten. Auf den Meetups trifft man sie, beim Social-Media-Breakfast, beim Media-Barcamp – ich bin immer wieder überrascht, wie vielschichtig die Münchner Digitalszene ist. Und wie offen die Leute sind. Selbst abseits der Veranstaltungen wird sich intensivst ausgetauscht. Das ist fast schon eine digitale Subkultur.

Ich bin fest überzeugt, dass München eine Vorreiterrolle einnimmt in Sachen Digitalisierung. Die Companies trainieren längst ihren Digitalmuskel über alltägliche Prozesse statt über einmalige Workshops. Zum Beispiel, indem sie Mitarbeiter freistellen, um 3 Monate lang an der Digital Product School teilzunehmen und die Wahnsinnsgeschwindigkeit von Lean und Agile am eigenen Leib zu spüren

MWW: Welche Möglichkeiten siehst du für jeden Einzelnen in München, sich selbst einzubringen und die Digitalwirtschaft, die Szene und den Standort zu stärken?

STEFFEN: Ich kann jedem nur empfehlen rauszugehen, Meetups zu besuchen, sich bei Design Jams auszuprobieren, Teams zu bilden. Geht zur push.conference und natürlich auch zu den Sessions der Münchner Webwoche. Geht zu Barcamps und Hackathons. Redet mit Leuten, networkt aktiv und seid nicht einfach nur Business-Card-Sluts! Hört interessiert zu, erzählt aber auch, was Ihr macht! Und bringt auch mal zwei Leute zusammen, ohne dass ihr direkt was davon habt – außer dem tollen Gefühl, als Ideenverkuppler der Ursprung eines tollen Projektes zu sein.

Waren vor ein paar Jahren noch relativ viele Recruiter auf den Events, sind es jetzt fast ausschließlich Leute, die sich inhaltlich für das neue Tempo interessieren. Du triffst nicht nur den hochmotivierten Freshman mit einer coolen Idee, sondern auch mal Vorstandsmitglieder. Aber das merkst Du zunächst gar nicht, weil die erstens keine Anzüge mehr tragen und zweitens Leute sind, die Deine Leidenschaft fürs Digitale teilen, statt Vollzeit-Numbercruncher zu sein.

MWW: Die Münchner Webwoche lebt vom Engagement jedes Einzelnen. Warst du mit einem eigenen Event dabei oder hast du an einem teilgenommen? Was für Veranstaltungen sollten unsere Leser deiner Meinung nach unbedingt ihre Aufmerksamkeit schenken?

STEFFEN: Ich hatte mich fürs Isarcamp angemeldet, konnte dann aber kurzfristig leider nicht. Das war aber definitiv nicht mein letzter Versuch. Ansonsten bleibe ich gern in Übung in Sachen Ideation und Validieren, daher steht der Munich Design Jam immer ganz oben. Und die Lean Start-up Machine. Und wenn Du in Sachen Produktentwicklung unterwegs bist, kannst Du beim Product Tank und den Product Leaks tolle Leute brain-picken. Ach ja, und für alle UXler ist der UX Monday natürlich ein Muss.

MWW: Und nun die „halbe“ Staffelfrage: Von welcher Persönlichkeit der digitalen Szene Münchens würdest du an dieser Stelle gerne 5 ½ Antworten lesen?

STEFFEN: Da würde ich mir den Johannes Start wünschen. Der ist als Vollblutentwickler mega-interdisziplinär unterwegs – nicht nur als Mitorganisator der Munich Design Jams. Der hat bestimmt viel Interessantes zu erzählen zu Münchens Digitalszene.

MWW: Vielen lieben Dank für deine Zeit!


[„5einhalb Fragen an…“ ist ein festes Format dieses Blogs. Wir wollen den großen und kleinen Gestaltern der Digitalwirtschaft Bühne und Forum sein. Die Interviewreihe räumt Platz dafür ein, dass sich engagierte Persönlichkeiten der Szene mit ihren Projekten vorstellen können.]

5 ½ Fragen an Dr. Georg Schroth

Mit der Firma NavVis und seinem Team stellte Georg Schroth ein beeindruckendes Projekt auf die Beine: Die Digitalisierung von Innenräumen wie Fabriken, Bürogebäuden oder auch Flughäfen. Mit seiner Idee bekam das Unternehmen bereits globale Aufmerksamkeit. Mit seiner Arbeit hat er Konrad Best, Leiter des Digitalteams des Münchner Flughafens überzeugt, der ihn für unsere 5 ½ Fragen zu seinem Projekt und dem digitalen München nominiert hat. Weiterlesen

5 ½ Fragen an Dirk von Gehlen

Dirk von Gehlen ist Autor und Journalist und leitet die Abteilung Social Media / Innovation bei der Süddeutschen Zeitung. Auf seiner Website Digitale Notizen präsentiert der Digitalexperte seine experimentierfreudige Seite. Mit dem Projekt Log.os probiert er beispielsweise aus, ob eine Buchveröffentlichung im digitalen Zeitalter genauso „versionsweise“ funktionieren kann wie Updates bei einer Software und leitet somit ein neuartiges Social-Reading-Experiment. Klaus Eck hat ihn für unsere 5 ½ Fragen nominiert, weil von Gehlen eine spannende Perspektive auf die Münchner Digitalszene hat.

Weiterlesen

5 ½ Fragen an Albert Brenner

diva-e gehört zu den führenden Digitalagenturen Deutschland und unterstützt die Münchner Webwoche als Sponsor und mit eigenen Veranstaltungen. Wir haben Geschäftsführer Albert Brenner in unseren 5 ½ Fragen um Eindrücke in die Münchner Digitalszene und wirtschaftliche Realität der Digitalisierung gebeten.

Weiterlesen