5 ½ Fragen an Dirk von Gehlen

Dirk von Gehlen ist Autor und Journalist und leitet die Abteilung Social Media / Innovation bei der Süddeutschen Zeitung. Auf seiner Website Digitale Notizen präsentiert der Digitalexperte seine experimentierfreudige Seite. Mit dem Projekt Log.os probiert er beispielsweise aus, ob eine Buchveröffentlichung im digitalen Zeitalter genauso „versionsweise“ funktionieren kann wie Updates bei einer Software und leitet somit ein neuartiges Social-Reading-Experiment. Klaus Eck hat ihn für unsere 5 ½ Fragen nominiert, weil von Gehlen eine spannende Perspektive auf die Münchner Digitalszene hat.

MWW: Hallo Dirk, kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, was du so machst?

Dirk von Gehlen

© Dirk von Gehlen

DIRK VON GEHLEN: Mein Name ist Dirk von Gehlen. Ich bin Journalist bei der Süddeutschen Zeitung. In meine Twitterbio habe ich geschrieben: „Ich mache Neues bei der SZ“. Gemeinsam mit dem Kollegen Lutz Knappmann leite ich eine kleine Abteilung, die sich um Innovationen kümmert. Dazu zählen zum Beispiel Angebote wie das Longreads-Magazin „Langstrecke“, die Seite „Das Rezept“ aber auch SZ VR.

MWW: Auf Digitale Notizen zeigst Du, wie Du aktiv die Münchner Digitalszene mit gestaltest und bist darüber hinaus gut vernetzt. Was genau steht hinter deinen Projekten, wie log.os und wie kam es dazu?

DIRK: Die Website Log.os ist ein Social-Reading-Projekt, das ich mit Begeisterung verfolge, an dem ich aber nicht direkt beteiligt bin. In meinem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ habe ich beschrieben, wie auch Social-Reading unsere Vorstellung von einem Werk als unveränderlicher Durchschnittsbotschaft verändert. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als Volker Oppmann mir das Angebot gemacht hat, in einem Beta-Test eine Lesegruppe zu dem Buch auf log.os zu testen.

MWW: Das Motto der Münchner Webwoche 2017 lautete „Game Changer Digitalisierung“. Ist München deiner Meinung nach ein Game Changer in Bezug auf die Digitalisierung? Welches Potenzial schlummert deiner Meinung nach in unserer Stadt als Digital- und Kreativstandort?

DIRK: Ich mag München sehr und fühle mich hier sehr wohl. Ob die Stadt aber ein „Game Changer“ ist, kann ich nicht beurteilen. Überhaupt finde ich, dass es an der Zeit ist, eine Alternative zu der an physische Räume gebundenen Idee von Heimat zu denken. Deshalb arbeite ich gerade mit ein paar interessierten Menschen an der Idee, einen Heimat- und Brauchtumsverein zu gründen – für das Internet.

MWW: Welche Möglichkeiten siehst du für jeden Einzelnen in München, sich selbst einzubringen und die Digitalwirtschaft, die Szene und den Standort zu stärken?

DIRK: Hängt das von dem Ort ab, an dem man wohnt? Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft einen kulturpragmatischen Blick auf die Zukunft entwickeln: dass wir also in der Lage sind, die Zukunft als gestaltbar zu sehen. Kulturpessimisten und Zukunftseuphoriker sind sich ja erstaunlicherweise darin einig, dass die Zukunft auch ohne unser Zutun schlechter oder besser wird. Das glaube ich nicht.

MWW: Die Münchner Webwoche lebt vom Engagement jedes Einzelnen. Warst du mit einem eigenen Event dabei oder hast du an einem teilgenommen? Welche Veranstaltung war deiner Meinung nach unbedingt einen Besuch wert?

DIRK: Ich möchte besonders die Fail-Night empfehlen. Allein weil ich Geschichten vom Scheitern immer spannender finde als jene, in denen es um Erfolg geht. Denn vom Scheitern kann man viel mehr lernen.

MWW: Und nun die „halbe“ Staffelfrage: Von welcher Persönlichkeit der digitalen Szene Münchens würdest du an dieser Stelle gerne 5einhalb Antworten lesen?

DIRK: Ulrike Köppen vom BR-Data-Team.

MWW: Vielen lieben Dank für deine Zeit!


[„5einhalb Fragen an…“ ist ein festes Format dieses Blogs. Wir wollen den großen und kleinen Gestaltern der Digitalwirtschaft Bühne und Forum sein. Die Interviewreihe räumt Platz dafür ein, dass sich engagierte Persönlichkeiten der Szene mit ihren Projekten vorstellen können.]