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Nicolas Reis: Der Dritte Sektor darf sich nicht von der Digitalisierung abhängen lassen

Herr Reis, Sie sind Gründer von Altruja – einem Anbieter von Spendentools für Online-Fundraising. Sie möchten damit Hilfsorganisationen, Vereine, Schulen, Parteien usw. helfen, Spenden zu sammeln.

 

Frage: Wie ist die Idee entstanden, Online-Fundraisingtools anzubieten und wie sind Ihre Gründungserfahrungen hier in Bayern? Welche Unterstützung – auch außerhalb institutioneller Förderprogramme – haben Sie bekommen, um Ihre Idee zu verwirklichen?

Antwort: Nachdem ich meinen MBA in Südkalifornien absolvierte, begann ich bei einer Softwarefirma im Bereich Online Payment in San Diego zu arbeiten. Dort gab es u.a. auch ein Online Spendentool. In Deutschland gab es sowas damals (2008) noch nicht, daher kam die Idee mit im „Handgepäck“ so zusagen. Die Unterstützung durch die Hochschulen (LMU, TU München und auch Strascheg Center waren) wirklich toll, sehr unbürokratisch, dazu das EXIST Gründerstipendium, das hat den Start erleichtert! Zusätzlich haben wir sehr schnell angefangen, klassische Investoren einzuwerben, u.a. den High Tech Gründerfonds, Bayern Kapital, aber auch einige namhafte Business Angel.

 

Frage: Sie sind bereits einige Jahre am Markt. Was würden Sie anderen Gründern raten? Was sind Ihre persönlichen drei Dos und Ihre drei Don‘ts?

Antwort:

DOs:

  • Progress not perfection- Nicht ewig im Elfenbeiturm überlegen, raus an den Kunden für Feedback
  • Denkt dran, alles dauert immer länger, Kunden, Investoren, Entwicklung
  • Teilt Eure Idee – Nicht ewig geheim halten, wenn man die Idee so leicht klauen kann, war sie meist Mist…

Don‘ts:

  • Das Gegenteil von allem oben:)
  • Vielleicht nicht zu viel Zeit auf allen Events verdaddeln, manchmal muss man auch klassisch „arbeiten“! 😉

 

Frage: Wie schätzen Sie den Stand der Digitalisierung in Non-Profit-Organisationen ein? Sind sie bereit für die digitale Transformation? Wo besteht Ihrer Ansicht nach Aufholbedarf?

Antwort: Hier gibt es eine sehr große Schere! :(. Einige große oder junge sind da echt führend, experimentieren mit Blockchain, neuen Fintechs, sind offen.

Die große Mehrzahl ist allerdings noch völlig überfordert bzw. noch schlimmer: Viele handeln da eher nach der Vogel Strauß Taktik: Kopf in Sand, wir machen da nicht mit. Aber die Erfahrung zeigt natürlich, dass solche Organisationen es da sehr schwer haben werden, in einer agilen Welt weiter eine wichtige Rolle zu spielen.

 

Frage: Viele Startups bauen auf disruptive Geschäftsmodelle. Wie steht Altruja dazu? Wie sieht Ihre Vision der Digitalisierung aus?

Antwort: Große Frage, für dieses kleine FormatJ. So sehr viel Disruption würden unsere Kunden gar nicht vertragen. Wir sehen unsere Aufgabe eher darin, Organisationen die bisherige Disruption näher zu bringen und nutzbar zu machen. Offen gestanden muss vielleicht nicht jede Tierschutzorganisation oder Kirche morgen eine eigene Cryptowährung oder Blockchain schaffen, uns geht es vielmehr um einen offenen Umgang mit dem Thema Digitalisierung, ein Teilhaben und Mitgestalten, sonst wird man irgendwann abgehängt und das kann sich der Dritte Sektor nicht leisten (und wir uns auch nicht, dafür ist er zu wichtig! )

 

Erleben Sie Nicolas Reis live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

Anmeldung und weitere Infos zum Zweiten Münchner Digital Dialog unter:

http://muenchner-webwoche.de/2_digital-dialog/