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Veronika Riederle: Neue Datenschutz-grundverordnung erschwert schnellen Marktzugang

Frau Riederle, Sie sind Mit-Gründerin und Geschäftsführerin bei Demodesk. Es handelt sich hierbei um eine Screen-Sharing-Technologie, die Inside Sales und Support für B2B SaaS revolutionieren soll.  Um solch ein Projekt auf die Beine zu stellen, bedarf es einer soliden Finanzierung. Sie haben unter anderem an der Columbia University in New York studiert und wissen, dass es in den USA meist einfacher ist, Seed Capital oder Venture Capital zu erhalten.

 

Frage: Wie war das hier in München? War es für Sie einfach, in Bayern Fördergelder zu erhalten? Können Sie uns über Ihre Erfahrungen berichten.

Antwort: Wir werden seit dem 1. Oktober 2017 durch EXIST gefördert, ein Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Förderung umfasst ein Grundgehalt für bis zu drei Gründungsmitglieder, finanzielle Mittel für Coaching- und Sachleistungen sowie Unterstützung durch Mentoren und Coaches über 12 Monate. Um als förderfähig zu gelten, muss man bestimmte Bedingungen erfüllen und der Antrag ist relativ anspruchsvoll und zeitaufwendig. Durch unser starkes Gründernetzwerk in München hatten wir glücklicherweise Hilfe bei der Erstellung des Antrags, was uns den ganzen Prozess definitiv einfacher gemacht hat. Darüber hinaus nutzen wir auch Start-up Wettbewerbe und Programme (z.B. XPRENEURS, Unternehmertum, Gründerwettbewerb).

 

Frage: Wie ist die Stimmung bei Bayerns Start-up Unternehmen? Haben Sie das Gefühl, es gibt genügend Unterstützung? Glauben Sie, dass sich Bayern jemals zu einem „Silicon Valley“ entwickeln kann? Oder gibt es andere Regionen in Deutschland, in denen Start-ups schneller und großzügiger gefördert werden?

Antwort: In unserem persönlichen Netzwerk ist die Stimmung sehr positiv und es gibt relativ viel Unterstützung. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass wir beide am CDTM (einem gründungs-orientierten Zusatzstudium an der LMU/TU München) studiert haben. Einige erfolgreiche deutsche Unternehmensgründungen kommen aus dem CDTM Netzwerk (z.B. egym, Outfittery, Amiando, Kinexon, Freeletics). Die Münchner Gründerszene ist im Vergleich zu Berlin allerdings immer noch recht überschaubar. Insgesamt geht die Anzahl der Gründer in Deutschland leider kontinuierlich zurück – im Jahr 2001 waren es 1.6 Mio, in 2016 nur noch 0.7 Mio.

Von einem „Silicon Valley“ sind wir hier in Bayern noch weit weg. In USA gab es in 2016 mehr als 50 Mrd. Euro VC Investment, in Deutschland flossen lediglich 2 Mrd. Euro in Startups. Das liegt zum einen sicherlich an der Größe des amerikanischen Marktes und der Macher-Mentalität der Amerikaner, zum anderen auch an der deutlich größeren Offenheit der amerikanischen Unternehmen für neue Software-Technologien und einer schnelleren Migration in die Cloud.

 

Frage: Was ist das Besondere an der Geschäftsidee von Demodesk? Welches „Problem“ möchten Sie lösen und was ist Ihr Ziel?

Antwort: Wir haben eine webbasierte Screen Sharing Technologie entwickelt, die Probleme von herkömmlichen Screen Sharing Lösungen für Cloud-Anwendungen beseitigt – die notwendige Installation auf dem Endgerät, Probleme mit Firewalls, langsame und stockende Übertragung bei nicht optimaler Internetverbindung, Datenschutz Probleme durch notwendiges Teilen des gesamten Desktops, sowie zahlreiche weitere anwendungsspezifische Nachteile. Durch Einführung einer cloudbasierten Zentralinstanz ermöglicht Demodesk hochwertiges Screen Sharing über einen Browser, funktioniert ohne Installation auf jedem Endgerät und kann selbst komplexeste Anwendungen verzögerungsfrei und mit erheblich gesteigerter Übertragungsrate transferieren.

 

Frage: Wie geht es jetzt für Demodesk weiter? Ist eine schnelle Expansion geplant? Und wenn ja, ist es für Sie mit der Förderung durch EXIST jetzt einfacher geworden, in Bayern an VC zu gelangen?

Antwort: Wir befinden uns noch in der Seed Stage und fokussieren uns momentan stark auf die Weiterentwicklung unseres Produktes. Eine Finanzierungsrunde ist erst in der zweiten Jahreshälfte geplant. Ob es durch EXIST einfacher wird an Finanzierung zu gelangen können wir noch nicht sagen. Mit Sicherheit befinden wir uns aber in einer deutlich besseren Verhandlungsposition, da das Produkt ausgereifter ist als es ohne die Unterstützung durch EXIST wäre – ohne die Förderung hätten wir deutlich früher Kapital aufnehmen müssen.

 

Frage: Wie sieht es in Deutschland mit der juristischen Seite für Start-up Unternehmen ihrer Meinung nach aus? Sowohl bei Ihnen als auch bei anderen Unternehmen geht es um Geschäftsmodelle, die mit Metadaten, Advanced Analytics etc. arbeiten. Wie wirkt sich hier z.B. die neue Datenschutzverordnung auf das Geschäftsmodell aus?

 

Antwort: Diesbezüglich haben europäische Startups definitiv einen Nachteil gegenüber den USA. Startups in USA können deutlich schneller und unkomplizierter Prototypen entwickeln und mit Kunden testen, für die Verarbeitung und Analyse von kundenbezogenen Daten essentiell sind. Obwohl wir das Grundprinzip der neuen Datenschutzverordnung vollkommen unterstützen und als sinnvoll erachten, erschwert es dennoch einen schnellen Marktzugang.

 

Erleben Sie Veronika Riederle live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

Anmeldung und weitere Infos zum Zweiten Münchner Digital Dialog unter:

http://muenchner-webwoche.de/2_digital-dialog/