5einhalb Fragen an Sabine Sikorski

Portrait Sabine Sikorski, Foodbloggerin aus München auf Pastamaniac

Sabine Sikorski ist Bloggerin und Kommunikationsberaterin. Voller Energie hat sie bereits mehrere große Social Media Aktionen und Events auf die Beine gestellt. Mit fünf kurzen Fragen stellen wir euch Sabine und ihre Projekte vor und starten mit ihr unsere neue Interviewreihe „5einhalb Fragen“ durch die Münchner Digital- und Kreativszene.

MWW: Hallo Sabine, kannst Du Dich kurz vorstellen und erzählen, was Du so machst?

Sabine Sikorski: Gerne. Ich bin Foodbloggerin auf pastamaniac.de, organisiere Veranstaltungen wie den Social Media Club, die Epic Fail Night und den Food Entrepreneurs Club, und arbeite als freie Kommunikationsberaterin mit dem Schwerpunkt auf Content Management und Content Strategie.

Meine Leidenschaft gilt allem Digitalen. So twittere ich schon sehr lange, nutze Facebook und Instagram und bin seit einiger Zeit auch auf Snapchat aktiv. Außerdem liebe ich Barcamps und bin dort ganz viel unterwegs, denn auf keiner Veranstaltung ist so viel Wissen versammelt und wird so bereitwillig geteilt wie dort.

MWW: Mit der Epic Fail Night, dem Social Media Club München und rollierenden Twitteraktionen wie MunichLovesU gestaltest Du schon lange aktiv die Münchner Digitalszene mit. Was genau steht hinter diesen Projekten und wie kam es dazu?

Sabine: Fangen wir am besten mit @MunichLovesU an, einem Twitter-Projekt, das zwar beendet ist, mir aber immer noch viel bedeutet und mir wahnsinnig viele Türen geöffnet hat. Dabei hat es sich um Rotation Curation gehandelt, heißt, der Account wurde jede Woche von einem anderen Münchner befüllt. Das Vorbild lieferte der offizielle Städteaccount @sweden, der übrigens immer noch läuft. Diesem Account bin ich früh gefolgt und hatte schnell die Idee, so etwas für München aufzuziehen. Dank großartiger Freunde, die sofort dabei waren, konnten wir es erfolgreich umsetzen. Wir hatten das Projekt auf ein Jahr beschränkt, und obwohl es bereits im März 2013 ausgelaufen ist, werde ich immer noch darauf angesprochen.

Der Social Media Club ist ein Networking Event für Münchens Digitalszene. Bereits seit 2009 werden dort Best Cases zu jeweils festgelegten Themen präsentiert, die Sprecher sind meist aus Unternehmen. Auftakt ist jedes Jahr das Bloggertreffen im Vorfeld der DLD, zu dem Gäste aus der ganzen Welt kommen. Die Reihe ist eine gute Möglichkeit für alle, die sich weiterbilden und vernetzen wollen. Ich war Gast der ersten Stunde und bin seit ca. drei Jahren im Orgateam dabei. Übrigens ehrenamtlich, wie der Rest des Teams auch.

Bei der Epic Fail Night machen wir genau das Gegenteil: Wir reden übers Scheitern. Vorbild sind die Fuck Up Nights, die in Mexiko entstanden sind, und die es mittlerweile weltweit gibt. Hier sprechen Menschen über Projekte und Dinge, die nicht geklappt haben. Dabei ist es uns wichtig, die komplette Bandbreite des Scheiterns abzudecken. Also vermeintliche Kleinigkeiten wie die falsche Studienwahl, über gescheiterte Ehen bis hin zur Insolvenz. Als Sprecher war zum Beispiel schon der Gründer der Anonymen Insolvenzler da, Attila von Unruh, oder Anne Koark, die über ihre Insolvenz ein Buch geschrieben hat, und dafür sorgte, dass Gesetze geändert wurden. Ich selbst habe übrigens auch schon gesprochen. Auch dieses Event machen die Easywriters und ich komplett ehrenamtlich. Denn wir wollen, dass Scheitern kein Tabu mehr ist, sondern als das erkannt wird, was es ist: Ein Teil des Lebens.

MWW: Wenn Du auf Deine Erfahrung zurückblickst: welches Potential schlummert in München als Digital- und Kreativstandort? Wo würdest Du selbst gerne mehr vorantreiben?

Sabine: Ein großes, definitiv! München ist eine wahnsinnig kreative Stadt mit viel Potenzial und noch mehr Ideen. Dafür muss sich die Stadt aber noch mehr öffnen und mehr möglich machen. Es gibt beispielsweise das Projekt Cook&Code. Hierbei handelt es sich um Kurse, in denen Menschen Programmieren lernen können, den Umgang mit WordPress, aber auch, was man alles für die Entwicklung einer App braucht. Dabei haben sie ein tolles Bezahlkonzept: Wer etwas zu Essen für alle mitbringt, bezahlt nichts oder weniger. Ich habe dort eine Menge gelernt. Der Macher, Alex Hoffmann, wünscht sich langfristig, ein Programmiercafé zu eröffnen, in das Menschen mit IT-Fragen kommen können, wo die Kurse abgehalten werden, und das evtl. sogar als Coworking Space genutzt werden kann. Wäre es nicht super, wenn die Stadt München dieses Vorhaben unterstützt, oder ein Unternehmen wie Microsoft?

Ich selbst unterstütze seit einiger Zeit das Münchner Stadtportal muenchen.de bei ihren Social Media Aktivitäten. So kommt gerade Snapchat als neuer Kanal hinzu, was noch mal ganz andere Möglichkeiten bietet, die Stadt und ihre Bewohner nach außen hin zu zeigen.

MWW: Welche Möglichkeiten siehst Du in München, sich selbst einzubringen und die Digitalwirtschaft, die Szene und den Standort zu stärken?

Sabine: Jeder hat die Möglichkeit, auf Eigeninitiative hin Dinge umzusetzen und zu machen. Ich selbst bin ja das beste Beispiel dafür, allerdings sind meine Aktivitäten ehrenamtlich, mein Geld verdiene ich mit anderen Tätigkeiten. Damit Menschen aber auch von ihren Projekten leben können, muss sich München selbst noch mehr öffnen. Es muss Möglichkeiten geben, sich kreativ und frei zu entfalten. Das fängt bei Büromieten an, geht über Fördermöglichkeiten und Netzwerkveranstaltungen und dem Präsentieren in der Öffentlichkeit. Warum nicht regelmäßig zeigen, was München zu bieten hat? Also auch außerhalb der Webwoche. Damit der Rest der Welt mitbekommt, was hier so läuft

MWW: Die Münchner Webwoche lebt von der Beteiligung aus der Münchner Digitallandschaft. Könntest Du Dir vorstellen, Dich mit einem eigenen Beitrag einzubringen oder mit einem Event dabei zu sein – oder bist Du es eh schon?

Sabine: Auf jeden Fall! Ich finde die Münchner Webwoche sehr wichtig, und deshalb haben wir zum Beispiel eine Epic Fail Night in diese Woche gelegt, nämlich auf Donnerstag, den 10. November. Evtl. gibt es auch noch eine Veranstaltung des Food Entrepreneurs Club in der Woche, den ich auch organisiere, das müssen wir aber von unseren Sprechern abhängig machen. Zudem bin ich gerade mit den Organisatorinnen von Lottis Leben im Gespräch, einem Frauennetzwerk für München, das regelmäßig Veranstaltungen macht, davon einige zu digitalen Themen.

MWW: Und nun die „halbe“ Staffelfrage: Von welcher Persönlichkeit der digitalen Szene in München würdest Du an dieser Stelle gerne 5einhalb Antworten lesen?

Sabine: Ich empfehle Lutz Staacke. Lutz ist einer der Gründungsväter von @MunichLovesU, hat #1000malwillkommen ins Leben gerufen, ist Blogger, Community Manager und aktuell Social Media Head bei einem Verlag, den er in dieser Funktion ins Digitale Dasein führt.

MWW: Vielen lieben Dank!


[„5einhalb Fragen an…“ ist ein festes Format dieses Blogs. Wir wollen den großen und kleinen Gestaltern der Digitalwirtschaft Bühne und Forum sein. Die Interviewreihe räumt Platz dafür ein, dass sich engagierte Persönlichkeiten der Szene mit ihren Projekten vorstellen können.]