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Christoph Weigler: Wir müssen unsere Haltung gegenüber digitalen Innovationen überdenken

Herr Weigler, Sie sind seit Oktober 2015 bei Uber tätig und leiten seit August 2016 als General Manager das Geschäft von Uber in Deutschland. Mit Ihren beruflichen Stationen in China und im Silicon Valley haben Sie einen sehr weiten Blickwinkel auf das Thema Digitalisierung.

Frage: Im Vergleich zu China hinken wir in Deutschland, in Bayern, bei der Digitalisierung hinterher. Das Handelsblatt titelt Ende Februar 2018 „Deutsche Unternehmen werden nicht mehr lange mit Innovationen aus China Schritt halten.“ Wird die deutsche Industrie jetzt wirklich abgehängt?

Antwort: Deutschland ist nach wie vor eine der führenden Industrienationen der Welt. Wenn Sie beispielsweise die Automobilbranche, den Maschinenbau oder auch die chemische Industrie ansehen, sind wir spitze. Klar ist aber auch: Deutschland muss die Trends der Zukunft mitgestalten, wenn es weiterhin vorne mit dabei sein will. In einigen Bereichen sind Innovationen da sicherlich noch unterentwickelt. So sehen wir zum Beispiel im Bereich der urbanen Mobilität, dass neue Nutzungskonzepte jenseits von Car Sharing noch sehr rar sind. Deutschland kann und muss hier und an anderen Stellen sicher noch einen Gang zulegen – dafür braucht es aber nicht nur gute Technologien, sondern auch die entsprechenden Rahmenbedingungen.

 

Frage: Wie können wir diesem Problem begegnen? Was muss Deutschland, Bayern, Ihrer Meinung nach tun, damit wir den Anschluss nicht verpassen? Oder ist bereits alles Notwendige in die Wege geleitet?

Antwort: Aus meiner Sicht muss sich auf zwei Ebenen etwas tun. Zum einen müssen wir unsere Haltung gegenüber digitalen Innovationen überdenken. Bei vielen überwiegt immer noch eher das Misstrauen. Zum anderen müssen wir die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Die führende Position in der Automobilindustrie werden wir beispielsweise nur halten können, wenn es uns gelingt, die Mobilität der Zukunft aus Deutschland heraus zu gestalten. Dazu braucht es einen modernen Rechtsrahmen, der Innovationen erlaubt und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle fördert.

 

Frage: Um wiederum das Handelsblatt aus dem Januar 2018 zu zitieren: „16 Millionen Deutsche stehen digital im Abseits“ und „Viele Deutsche fühlen sich von der Digitalisierung überfordert und nehmen gar nicht erst an den neuen Entwicklungen teil.“ Welche Aufgaben sehen Sie bei der neuen Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär? Was muss getan werden, um einerseits die Digitalisierung voranzutreiben und andererseits die Menschen „abzuholen und einzubinden“?

Antwort: Es ist gut und wichtig, dass die Regierung Mut zur Veränderung und Erneuerung zeigt. Gerade im Bereich der Digitalisierung müssen wir schnelle Fortschritte machen, um neues Innovationspotential zu entfalten. Dabei muss es um mehr gehen als nur einen schnellen Breitbandausbau. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für Produktinnovationen und Gründer. Das bedeutet auch, dass nicht mehr zeitgemäße Anforderungen aus dem Weg geräumt und Neugründungen erleichtert werden. Neue Geschäftsideen können Deutschland nach ganz vorne bringen. Heute scheitern sie jedoch noch zu oft an der Bürokratie.

 

Frage: Liegt die Angst vor der Digitalisierung Ihrer Meinung nach z.B. auch an der Angst vieler Menschen vor Disruption?

Digitalisierung ist in aller Munde, doch es gibt keine allgemeine Klarheit, was sich dahinter verbirgt. Aus meiner Sicht geht es bei der Digitalisierung vor allem darum, Technologie dafür einzusetzen, das Leben der Menschen besser und leichter zu machen. Natürlich bedeutet das auch Veränderung. Daher muss man viel Aufklärung betreiben. Schlussendlich haben wir es selbst in der Hand, technische Innovationen zu unser aller Vorteil zu nutzen. Das sollte uns alle ermutigen und anspornen.

 

Frage: UBER steht in der Öffentlichkeit für ein Paradebeispiel eines disruptiven Unternehmens. Das Unternehmen sah sich im letzten Jahr mit einer Reihe von Vorwürfen konfrontiert. In den USA musste der Chef und Gründer gehen. In München gab es eine Demonstration von Taxifahrern. Wie reagiert UBER, wie reagieren Sie auf die Kritik? Ändern Sie Ihre Strategie?

Antwort: Uber hat die Notwendigkeit für Veränderungen erkannt. Dies zeigen nicht zuletzt die vielen Maßnahmen, die unser CEO Dara Khosrowshahi seit seinem Antritt bereits angestoßen hat. Auch in Deutschland haben wir uns neu aufgestellt. Hier arbeiten wir seit gut drei Jahren nur noch mit professionellen Fahrern zusammen und setzen auf Wachstum durch Zusammenarbeit – Zusammenarbeit mit den Behörden, mit der Politik, mit Städten, Taxi- und Flottenbetreibern. Dieser neue Weg war wichtig für Uber, und wir werden ihn konsequent weiter verfolgen.

 

 

Erleben Sie Christoph Weigler live am 25.4.2018, ab 18 Uhr!

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